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Allergien Hausstauballergien Heuschnupfen Niesen

17. Juni, 2026

Wissenswertes zu Allergien

Leiden Sie unter Konzentrationsmangel, schlafen Sie schlecht, juckt Ihre Haut? Gerade wenn derartige Beschwerden in Kombination mit Erkältungs-ähnlichen Symptomen auftreten, kann sich dahinter eine Allergie verstecken. Besonders hinterhältig: Allergien beginnen oft ganz ohne eindeutige Symptome.

Keine Symptome aber trotzdem betroffen! Der Unterschied zwischen Sensibilisierung und Allergie

„Fast die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland entwickelt eine Allergiebereitschaft (Fachbegriff: Sensibilisierung) auf ein oder mehrere Allergene.“ Das geht aus einem Fact Sheet der gemeinnützigen Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) hervor. Aber was ist eine Sensibilisierung und wie unterscheidet sie sich von einer Allergie?
Unter einer Allergie versteht man eine Überempfindlichkeit des Immunsystems. Eigentlich harmlose Substanzen wie zum Beispiel Pflanzenpollen oder Lebensmittel lösen eine Immunreaktion aus.
Diese allergischen Reaktionen treten normalerweise jedoch nicht beim Erstkontakt mit Allergenen auf. Hier kommt die sogenannte Sensibilisierung ins Spiel. Sie ebnet den Weg zu einer Allergie, indem das Immunsystem betroffener Menschen gezielt Antikörper produziert – das sogenannte Immunglobulin E, oder auch IgE. Das Immunsystem ist gegen diese Allergene also sensibilisiert und reagiert bei erneutem Kontakt wieder mit der Produktion von Antikörpern.
Diese Sensibilisierung kann für Betroffene völlig symptomfrei und damit unbemerkt ablaufen – bis sich im weiteren Verlauf möglicherweise eine „vollwertige“ Allergie entwickelt.
Prof. Dr. med. Karl-Christian Bergmann (Facharzt im Institut für Allergieforschung "ECARF" an der Charité in Berlin) erklärt den Unterschied: „Unter einer Sensibilisierung versteht man in der Allergologie das Bestehen von IgE-spezifischen Antikörpern gegen Allergene. Diese Antikörper lassen sich über Haut- oder Bluttests nachweisen. Sofern mit dem Bestehen dieser Antikörper keine Beschwerden einhergehen, spricht man von einer klinisch stummen Sensibilisierung. Erst wenn beim Kontakt mit den Allergenen auch Symptome dazukommen, spricht man von einer Allergie – oder von einer klinisch aktuellen Sensibilisierung.“

Unser Experte führt weiter aus: „Beim Nachweis einer Sensibilisierung gegen Pollen (positiver Hauttest) liegt meist auch eine Allergie vor. Bei Sensibilisierungen gegen ganzjährige Allergene (Tiere und Milben) liegt häufig (bis zu 50 %) keine Allergie vor.“



Die häufigsten Allergien in Deutschland

Allergie
Häufigkeit bei Erwachsenen
typische Symptome
mögliche Auslöser
Heuschnupfen
15,6 %
laufende oder verstopfte Nase, häufiger Niesreiz, juckende/tränende Augen
Pollen von Bäumen, Gräsern, Kräutern
Asthma bronchiale
8,7 %
Atemnot, Husten (besonders nachts), pfeifende Atmung, Engegefühl in der Brust
Hausstaub, Pollen, allergene Arbeitsstoffe (z. B. Mehlstaub), Nahrungsmittelallergene
Kontaktekzeme
8,6 %
Hautausschlag, Juckreiz, trockene Haut, Rötungen
Duftstoffe in Kosmetika, Latex, Klebstoffe, Pflanzen, Metalle
Nahrungsmittelallergien
5 %
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Husten, Atemnot, Ausschlag, Juckreiz, Quaddeln
grundsätzlich bei fast jedem Lebensmittel möglich
Neurodermitis
3,7 %
trockene, raue, rissige und schuppige Haut
gestörte Barrierefunktion der Haut
Insektengiftallergie
3 %
Lokale Schwellung/Rötung, Juckreiz, Übelkeit, Kreislaufprobleme
Gift von Bienen, Wespen, Hornissen
Quelle: ECARF

Der Heuschnupfen ist statistisch somit die am weitesten verbreitete allergische Erkrankung in Deutschland. Prof. Dr. med. Karl-Christian Bergmann benennt die Auslöser: Der Heuschnupfen wird in Deutschland am häufigsten durch Gräserpollen ausgelöst, gefolgt von Baumpollen, Tierhaaren und Hausstaubmilben. Graspollen führen wahrscheinlich deshalb am häufigsten zu Allergien, da sie im Vergleich zu Baum- und Kräuterpollen eine längere Saison haben. Außerdem neigen die Pollen dazu, bei hoher Feuchtigkeit zu platzen und damit ihre Allergene freizusetzen. Die Allergene können so tiefer in die unteren Atemwege eindringen und Asthma auslösen.“

Stadt vs. Land: wo Allergien stärker zuschlagen

Oft ist zu lesen, dass in ländlichen Gebieten weniger Menschen von Allergien betroffen wären als in Städten. Wir haben Prof. Dr. med. Karl-Christian Bergmann gefragt, ob das stimmt. In Großstädten sind Allergien am weitesten verbreitet, in Kleinstädten und Dörfern am wenigsten“, so die Antwort des Experten. Die Gründe für diesen Unterschied sind wissenschaftlich allerdings noch nicht vollkommen geklärt. Prof. Dr. med. Bergmann führt weiter aus: „Diskutiert werden als Ursachen unter anderem die kombinierte Einatmung von Allergenen (z. B. Pollen) und Feinstäuben oder anderen Luftschadstoffen.“

Allergien sind auf dem Vormarsch

Im Rahmen einer repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes klagte etwa jeder Vierte (23%) der befragten Pollenallergiker darüber, dass sich die Allergie-Symptome in den letzten fünf Jahren verschlimmert hätten.
Diesen Trend bestätigt uns auch Prof. Dr. med. Karl-Christian Bergmann: Es ist gut dokumentiert, dass innerhalb der letzten 20-25 Jahre eine Veränderung im Pollenflug in Deutschland und ganz Europa stattgefunden hat. Dies betrifft insbesondere die Zahl der in der Luft befindlichen Pollen und ihr zeitliches Auftreten. Pollen der Birkengruppe – unter anderem Hasel, Erle, Birke, Eiche und Linde – beginnen ihren Pollenflug in den letzten Jahrzehnten deutlich früher. Bei den Gräserpollen ist keine signifikante Veränderung im Beginn eingetreten. Dafür kommt es durch das Auftreten neuer Gräser-Arten zu einer insgesamt längeren Saison. Auch die Saison für Kräuterpollen hat sich verlängert, da die Herbstmonate häufiger noch warm und feucht sind.“


Für die Zukunft erwartet unser Experte weitere Veränderungen: „In den kommenden 10 bis 20 Jahren wird die Zahl der Birken in den Städten zurückgehen, da diese Bäume hitzeempfindlich sind und stets ausreichend Wasser benötigen, was in den Städten in den kommenden Jahren nicht mehr der Fall sein wird. Daneben ist es wahrscheinlich, dass andere Bäume, wie zum Beispiel die Erle, verstärkt Pollen abgeben, da sie durch eine Art von Schimmelpilz unter Stressbedingungen kommen und zur Erhaltung ihrer Art deshalb eine höhere Zahl an Pollen freisetzen. Eine wichtige Rolle spielt auch die Düngung von Rasenflächen mit stickstoffhaltigem Dünger, die zu einer deutlichen (bis zu fünffachen) Erhöhung der Pollenproduktion führt.“

Allergien im Alltag

Allergien sind ein Thema, das viele Menschen betrifft – selbst solche, die sich als symptomfrei bezeichnen würden. Umso entscheidender ist es, die Allergenbelastung im eigenen Haushalt möglichst gering zu halten. In den weiteren Artikeln unseres Themen-Schwerpunkts gehen wir auf einfache Vorsichtsmaßnahmen ein, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen. Außerdem erklären wir, worauf es bei der richtigen Reinigung ankommt.


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